17. Mai 2015

Miriam vs. Shell

© Greenpeace
Die letzten Wochen waren so unglaublich gefüllt, dass ich kaum Zeit hatte, richtig durchzuatmen.
Vieles ist passiert und es gab einige Erste Male für mich ;)
Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben:

  • ein Greenpeace Schiff betreten
  • Leute mit „Mate“ angesprochen
  • so viele Menschen um mich gehabt, denen gleichzeitig schlecht war...
  • den König von Thailand gesehen
  • getwittert
  • die Ankertaue vorbereitet
  • den Pazifik überquert
  • die Esperanza gesteuert
  • Darts auf einem sich bewegenden Boden gespielt (und sogar gewonnen)
  • sechs Wochen ohne Land zu berühren erlebt...
  • die Datumsgrenze überquert
  • zwei Sonntage hintereinander erlebt
  • erfahren, was es heißt, mit Wasserwerfern bespritzt zu werden
  • "Bohemian Rapsody" zum Geburtstag vorgesungen bekommen
  • die gesamte Erde umrundet
  • jeden Tag um 7:30 meine Pflicht des „Morning cleaning“ erfüllt...
  • über 7m hohen Wellengang erlebt
  • auf einer Bohrinsel „campiert“...

Die 6 Aktivisten der Greenpeace Esperanza beobachten die Polar Pioneer
© Vincenco Floramo / Greenpeace

...und das weil Shell im Jänner dieses Jahres angekündigt hat, in der Arktis nach Öl zu bohren...
In einem hochsensiblen Ökosystem, das als Klimaregulator der gesamten Welt agiert.
Doch Shell lässt sich davon nicht beeindrucken, Fakten werden ignoriert und die Arktis an forciert.
Und das trotz 75% Wahrscheinlichkeit eines größeren Ölunfalls (laut einer Studie, die von der US-Regierung finanziert wurde!).
...und das nachdem Shell's bisherige Geschichte vor Unfällen und Unglücken nur so strotzt (Kulluk 2012, Noble Discoverer...ständig)
...und das, obwohl die Ölvorkommen in der Arktis im Vergleich zu unserem jährlichen Verbrauch lächerlich gering sind.
...und das, obwohl Shell schon über 4 (laut anderen Angaben über 6) Milliarden $ in die „Arktis-Exploaration“ gesteckt hat und quasi nichts dabei heraus bekommen hat, Shell liebt scheinbar Verlustgeschäfte.
...und das nur, weil Shell seine verdammten Shareholder befriedigen möchte und ihnen beweisen muss, dass Shell noch immer „aktiv nach neuen Ölquellen sucht“ und „Arktispioniere“ sind.
...und das, obwohl die Bedingungen in der Arktis extrem sind und Wetterumschläge an der Tagesordnung stehen und so das Risiko eines Ölunfalles weiter steigt.
...und das, obwohl Shell es nicht einmal schafft, ihre Drillflotte in südlichen Gewässern unter Kontrolle zu halten...
...und das, obwohl wir bereits mehr fossile Energieträger extrahiert haben, als wir uns erlauben können, zu verheizen!
Ich könnte diese Liste nun noch Seite für Seite fortsetzen...Aber ich denke, ich habe genügend Gründe aufgezählt, warum es eine grenzenlose Perversität ist, was Shell vorhat! Sie verursachen den Klimawandel mit, jetzt wollen sie auch noch davon profitieren...

Auf dem Banner sind die Namen der über 6 Mio Unterstützer zu lesen
© Vincenco Floramo / Greenpeace

Jedenfalls hat Greenpeace natürlich Wind von Shell's dreckigen Plänen bekommen, schnurstracks wurde ein Team zusammengestellt (mir wurde die Ehre zuteil, Mitglied dieses Teams zu sein) und wir haben uns an Shell's Fersen geheftet...
Um genau zu sein haben wir uns nicht nur an ihre Fersen geheftet sondern uns direkt auf der Bohrinsel „Polar Pioneer“ eingenistet... Zuvor sind wir, um jene Bohrinsel zu finden, quer durch den gesamten Pazifik geschifft, dem Ausfindig machen des Polar Pioneers folgte eine spannende Verfolgungsjagd mit ganzen 9 nautischen Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit (das sind immerhin 16,6 km/h ;) ) Zu sechst waren wir sechs Tage lang (gemeinsam mit den über 6 Millionen Menschen, die sich bereits für den Schutz der Arktis ausgesprochen haben) auf dem Polar Pioneer stationiert und haben einen riesigen Scheinwerfer auf diese unglaubliche Frechheit gerichtet. Die Medienwelt war begeistert, für besonders interessierte Menschen und Leute mit einer Zuneigung für bunte, interaktiv gestaltete Seiten, gibt es https://www.savethearctic.org/en/live



Nachdem wir sehr erfolgreiche Tage auf Shell's Bohrinsel verbracht haben, bin ich gemeinsam mit dreien der Kletterer nach Seattle gereist. Ich war bei einigen Events (Earth Day, SHellNo-Protestmarsch...) und es war überwältigend und unfassbar mit welch riesiger Welle an Solidarität und Dankbarkeit wir hier gefeiert wurden...Teilweise sind mir Menschen mit Tränen in den Augen um den Hals gefallen und haben wieder und wieder beteuert, wie wichtig und großartig unsere Aktion war, um Shell's wahnsinnige Arktis-Bohrpläne ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken. Auch wenn dies definitiv nicht allein unserer Aktion zu verdanken ist, ist es bestärkend und inspirierend zu wissen, dass wir beigetragen haben, dass heute Menschen auf der Straße stehen, und aus voller Brust "Shell No! Seattle draws the line!" rufen, weil sie unsere Message bekommen haben...Ich bin überwältigt... Und nachdem so viel mehr Menschen an der Arktisschutz-Kampagne arbeiten und beteiligt sind, nämlich mittlerweile mehr als 6.9 Millionen(!), möchte ich einen großen Teil des Dankes, den ich in Seattle bekommen habe, direkt an euch weitergeben!

© Greenpeace
"Stop being Shellfish!"
© Greenpeace

Wir sind am besten Weg und gemeinsam können wir den Kampf der Zivilgesellschaft gegen die Ölindustrie gewinnen!
Auch in Österreich gibt’s Firmen mit Dreck am Stecken...
Alles Liebe,
eure Miriam

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