11. März 2015

Fukushima - Mit Drahtbürsten gegen die Atomkatastrophe

Fukushima-Gedenken 11.03.2015 in Wien
© Ina Vallant / Greenpeace

Wir schreiben den 11. März 2015. Heute vor 4 Jahren erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9,0 Japans Ostküste. Es folgte ein Tsunami, der das Land verwüstete und weitere Opfer forderte. Doch damit hatten die Probleme gerade erst begonnen. Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi wurde vom Tsunami schwer getroffen und eine Reihe von Störungen führte zur größten nuklearen Katastrophe seit Tschernobyl.

Aufgrund des Stromausfalls versagte die Kühlung der Brennstäbe. Fehlerhafte Messgeräte verschwiegen, was sich in den Reaktoren 1 bis 3 anbahnte: Es kam zur Kernschmelze. Durch Wasserstoffexplosionen wurden die Gebäude zudem schwer beschädigt. Radioaktive Stoffe gelangten unkontrolliert in die Luft, hochgradig kontaminiertes Wasser lief ins Meer. Als der Wind drehte und die radioaktive Wolke aufs Land blies, mussten etwa 150.000 Menschen evakuiert werden.

Fukushima-Gedenken 11.03.2015 in Wien
© Ina Vallant / Greenpeace

Nach der Katastrophe

Um die geschmolzenen Brennstäbe zu kühlen muss seit 4 Jahren Wasser von außen in die Reaktoren gepumpt werden. Damit das verseuchte Wasser nicht ins Grundwasser sickert, muss es allerdings auch wieder abgepumpt werden. Es lagert in großen Wassertanks und soll dekontaminiert werden. Dabei treten immer wieder Probleme auf. Vergangenes Jahr gab der Kraftwerksbetreiber TEPCO (Tokyo Electric Power Company) zu, dass noch immer Wasser in den Pazifik läuft. In den Evakuierungsgebieten haben die Aufräumarbeiten begonnen.

Während die Sperrzone noch lange unbewohnbar bleiben wird, versucht man durch Dekontamination wenigstens einige Gebiete zurück zu gewinnen. Dabei wird die Erde oberflächlich abgetragen und Fassaden und Straßen vom radioaktiven Staub befreit. Akribisch putzen Arbeiter mit Drahtbürsten jede Mauer ab, die abgetragene Erde bleibt als radioaktive Müllberge zurück. Doch erhöhte Strahlenwerte sind nach wie vor an der Tagesordnung, die Wälder können nicht dekontaminiert werden. Tausende Menschen können nicht mehr in ihr Zuhause zurückkehren.


Fukushima-Gedenken 11.03.2015 in Wien
© Ina Vallant / Greenpeace

Situation heute

Trotz vieler weiterer nachträglich bekannt gewordener Probleme und Störfälle in Fukushima Daiichi und anderen Atomkraftwerken gibt es eine starke Lobby, die Atomenergie weiterhin als sicher verkauft und sich für die erneute Inbetriebnahme mehrerer japanischer Atomreaktoren ausspricht. Alle Kraftwerke wurden nach der Katastrophe wegen u.a. unzureichendem Tsunamischutz abgeschaltet. Eine Petition von Greenpeace International unterstützt die Arbeit gegen die Lobbyisten und für die saubere Energie in Japan.

Die Fukushima-Katastrophe hatte auch Folgen in Europa, da sie die Sicherheit von Atomkraftwerken in Frage stellte. Deutschland schaltete vorsorglich seine ältesten Reaktoren ab und beschloss, nun doch schneller aus der Atomenergie auszusteigen als geplant. Trotzdem hat die EU gerade einen Präzedenzfall geschaffen. Sie genehmigte den Bau eines neuen Reaktors in Großbritannien (Hinkley Point C) mit Steuergeldern zu fördern. Ohne Subventionen lohnt sich die Atomenergie heute nicht mehr, weshalb dieser Fall ein Vorbild für viele andere Europäische Atomprojekte werden könnte. Dennoch verstößt dieses Vorhaben gegen Energie-, Umwelt- und Wettbewerbsrecht der EU, weshalb das Land Österreich Klage beim Europäischen Gerichtshof erheben möchte. Greenpeace Österreich begrüßt diesen Vorstoß und jeder kann die Regierung über eine Online-Petition unterstützen.

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