23. September 2014

The Ocean Cleanup

Die Zahl ist unvorstellbar groß: 10 Millionen Tonnen Müll landen jährlich in unseren Meeren. Allein 75% davon sind Kunststoffe. Diese zersetzen sich, wie jeder weiß, nur sehr langsam und überdauern durchaus mehr als ein Menschenleben. So nimmt die Anzahl der Plastikteile stetig zu und sammelt sich aufgrund von Meeresströmungen in riesigen Müllinseln an, der „Great Pacific Garbage Patch“ ist nur einer davon. Anstatt zu verrotten zerfällt Plastik in immer kleinere Bruchstücke bis hin zum sogenannten Mikroplastik. Stellenweise findet man mehr Mikroplastik als Plankton im Wasser. Das wird dann von Planktonfressern aufgenommen und reichert sich in deren Körpern an.

Der wichtigste Schritt ist natürlich, die Verschmutzung zu stoppen und zu verhindern, dass neuer Abfall in die Meere gelangt. Was aber tut man mit den Massen an Müll, die bereits in unseren Ozeanen herumschwimmen? Viele Lösungsansätze wurden diskutiert. Meistens ging es darum, mit Schiffen die Meere abzufahren und wie beim Fischfang mit Netzen nach Müll zu fischen. Das ist nicht nur mühsam und aufwendig, da sich der Müll bewegt und man alle Flächen wiederkehrend reinigen müsste. Netze würden kein Mikroplastik aufnehmen können, dafür aber durch Beifang die tierischen Meeresbewohner stärker gefährden als der Müll selbst.

Boyan Slat mit Meeresplastik
© The Ocean Cleanup

Vor zwei Jahren hat der damals 17-jährige Niederländer Boyan Slat sein Konzept für ein Projekt vorgestellt, dass genau diese Probleme bewältigen soll. Es basiert auf den natürlichen Meeresströmungen, die die Müllmassen fortwährend im Kreis treiben. Die Idee: Eine stationäre Plattform soll mit Hilfe einer Barriere den vorbeischwimmenden Müll zunächst konzentrieren und dann entfernen. Da die Barriere solide ist und keine Netze eingesetzt werden, können sich keine Tiere darin verfangen. Die schwimmende Barriere muss nur wenige Meter in die Tiefe ragen, da der meiste Müll passiv an der Oberfläche schwimmt, während Plankton und andere Lebewesen der Strömung unter der Barriere hindurch folgen.

Das Konzept klingt so simpel wie genial, aber ist das wirklich möglich? Das haben Boyan und ein wachsendes Team von Helfern zusammen mit Spezialisten wie Ökologen, Materialwissenschaftlern, Ingenieuren und Finanzspezialisten in den letzten Jahren untersucht und ihre Erkenntnisse in einer ausführlichen „Feasibility Study“ veröffentlicht. Das Ergebnis: Ja, es ist machbar, technisch möglich und sogar wirtschaftlich. Aus unseren Meeren lässt sich wertvoller Rohstoff in Form von Plastikmüll extrahieren.


Kürzlich hat „The Ocean Cleanup“ durch Crowdfunding die finanziellen Mittel für die nächste Phase des Projekts zusammenbekommen. Ein großangelegter Test soll die Ergebnisse der Feasibility Study bestätigen und letzte Untersuchungen ermöglichen, bevor die erste Plattform in voller Größe installiert werden soll. Wenn es soweit ist, soll die Konstruktion in der Lage sein, den Great Pacific Garbage Patch in nur fünf Jahren vollständig zu säubern. Es bleibt spannend.

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